FachpersonenForschungUnsere wissenschaftliche ForschungVirtuelle Realität beeinflusst Zahl motiler Spermien

    Virtuelle Realität beeinflusst Zahl motiler Spermien

    Eine neuartige Studie von Cryos International in Dänemark hat untersucht, ob der Einsatz von Virtueller Realität (VR) zur Darstellung von Erotika während der Masturbation die Qualität von Samenspender-Ejakulaten beeinflusst. Die Ergebnisse zeigen eine höhere Qualität in Hinblick auf die Anzahl motiler Spermien.


    Die Spermienqualität ist von einem Zusammenspiel verschiedener Variablen abhängig und kann daher auch bei ein und derselben Person abweichen. Variablen wie Jahreszeit, BMI, Rauchen, das Alter des Spenders und die Zeit seit der letzten Ejakulation (auch bekannt als Abstinenzzeit) können die Spermienqualität von einem Tag auf den anderen ändern. Daher liegt es nahe, die Spermienqualität verbessern zu wollen, etwa bei unfruchtbaren Männern, die im Rahmen von Kinderwunschbehandlungen Sperma abgeben, bei Krebspatienten, die vor der Therapie noch Sperma einlagern möchten, oder ganz allgemein bei Samenspendern wie bei Cryos. In dieser Richtung wird verstärkt geforscht und auch wir möchten dazu beitragen.  

    Frühere Untersuchungen (Pound et al. 2002) haben gezeigt, dass Art und Intensität des erotischen Materials, das den Männern während der Masturbation zur Verfügung steht, die Eigenschaften des Spermas beeinflussen kann. VR kann dem Anwender eine immersivere Erfahrung bieten, allerdings gab es zur Verwendung eines VR-Headsets (auch VR-Brille genannt) zur Darstellung von Erotika in diesem Kontext bisher keine Studien. Durch die Einführung von VR-Headsets in den Spenderkabinen bei Cryos vermuteten wir, dass sich auch die Sameneigenschaften in den gespendeten Ejakulaten ändern könnten. 

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    Ansatz und Methodik

    Die Studie wurde an allen vier Cryos Standorten in Dänemark durchgeführt (Aarhus, Odense, Aalborg und Kopenhagen) und schloss 504 Ejakulate von 63 Samenspendern ein, die hierzu ihre Einwilligung gegeben hatten. Alle Studienteilnehmer sollten bei jeder Spende mit oder ohne VR-Nutzung ejakulieren. Jeder Spender wurde angewiesen, während der Masturbation erotisches Material entweder auf einem Touchscreen oder mithilfe eines VR-Headsets anzusehen. Die Reihenfolge, in welcher die beiden verschiedenen Methoden für den einzelnen Spender zum Einsatz kamen, wurde per Würfelwurf vor der Spende randomisiert. 

    Von den Samenspendern verwendete Virtual-Reality-Brille von Cryos

    Ergebnisse

    Als wichtigstes Ergebnis wurde festgestellt, dass sowohl Abstinenzzeit als auch die VR-Nutzung Einfluss auf die Gesamtzahl motiler Spermien im Ejakulat hatten. Die Menge motiler Spermien ist ein wichtiger Parameter bei der Bewertung der männlichen Fruchtbarkeit, da die Samenzellen motil (d. h. beweglich) sein müssen, um eine Eizelle bei IUI- oder ICI-Behandlungen befruchten zu können. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass wenn der Zeitraum zwischen den Ejakulationen geringer als 24 Stunden ist, die Anzahl motiler Samenzellen im Sperma steigt.  

    Dies ist eine interessante Erkenntnis, die einen klaren Vorteil der VR-Nutzung während der Samenabgabe im klinischen Umfeld zeigt. Die Spermienzahl war mit der kürzesten, von uns untersuchten Abstinenzzeit (14 Stunden) im Durchschnitt um beinahe 50 % erhöht und es ist zu erwarten, dass dieser Effekt bei noch kürzeren Abstinenzzeiten noch stärker ausfällt. Die erzielten Ergebnisse mit Samenspendern lassen sich unserer Meinung nach auch auf andere Anwendungsfälle übertragen. So könnten durch die Nutzung von VR auch Männer, die im Rahmen von Kinderwunschbehandlungen Sperma abgeben, oder Krebspatienten, die vor ihrer Behandlung Sperma einlagern möchten, hiervon profitieren.