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Unfruchtbarkeit und Behandlung

ICSI – Worum geht es und wie läuft sie im Einzelnen ab?

Nach Cryos | 4/19/2022
ICSI-Behandlungen

Um ein Kind zu bekommen, sind viele Menschen auf eine Kinderwunschbehandlung angewiesen. Wenn Sie eine alleinstehende Frau oder ein lesbisches Paar sind, gehören Kinderwunschbehandlungen ganz selbstverständlich dazu. Als heterosexuelles Paar, das unter Fruchtbarkeitsproblemen leidet, war eine Kinderwunschbehandlung aber wohl eher nicht vorgesehen. Doch ganz egal, welcher Fall auf Sie zutrifft, Ihnen werden viele neue Begriffe und Abkürzungen begegnen. In diesem Blogartikel erklären wir Ihnen, was es mit der ICSI-Behandlung auf sich hat, wie sie abläuft und wann sie für Ihre Kinderwunschbehandlung infrage kommt.

Was ist eine ICSI?

ICSI ist die Abkürzung für „intrazytoplasmatische Spermieninjektion“, eine Art der künstlichen Befruchtung ähnlich der In-vitro-Fertilisation. Bei einer ICSI-Behandlung injiziert ein Arzt eine einzelne Samenzelle in die Eizelle. Anschließend wird die Eizelle inkubiert, bis sich ein Embryo entwickelt. Wenn die Entwicklung erfolgreich verläuft, wird der Embryo in die Gebärmutter der Patientin verpflanzt, wo es hoffentlich zu einer Schwangerschaft kommt.

Da die Samenzelle direkt in die Eizelle gespritzt wird, sind die Chancen auf die Bildung eines Embryos optimal. Daher wird eine ICSI immer dann empfohlen, wenn die Fruchtbarkeitsprobleme von einer niedrigen Spermienmotilität herrühren.

Wie läuft eine ICSI-Behandlung ab?

Schritt 1: Hormonstimulation

Wie bei der In-vitro-Fertilisation erhält die Frau auch bei der ICSI zunächst Fruchtbarkeitshormone. Diese sind nötig, um die Eizellproduktion in den Eierstöcken anzuregen, wo unter normalen Umständen immer nur eine einzelne Eizelle gleichzeitig heranreift, mit den Fruchtbarkeitshormonen jedoch gleich mehrere.

Darstellung des ICSI-Verfahrens

Darstellung des ICSI-Verfahrens

Schritt 2: Eizellentnahme

Wenn die Eizellen ausreichend herangereift sind, werden sie unter Sedierung von einem Kinderwunscharzt mit einer feinen Kanüle aus den Eierstöcken entnommen. Außerdem wird der Patientin 36 Stunden vor dem Verfahren eine sogenannte Auslösespritze gegeben, die sicherstellt, dass es zum Eisprung und damit zur Freisetzung der Eizellen kommt. Durch die Sedierung ist die Eizellentnahme schmerzfrei. Allerdings berichten einige Patientinnen in den Folgetagen von Unwohlsein im Bereich der Gebärmutter.

Schritt 3: Spermienextraktion

Wenn das Ejakulat keine gesunden Samenzellen enthält, können die Samenzellen auch direkt aus dem Körper entnommen werden. Dies kann entweder über einen chirurgischen Eingriff oder durch das Einführen eines schmalen Röhrchens in die Nebenhoden (Epididymis) erfolgen, wo die Samenzellen gelagert werden und reifen.

Schritt 4: Befruchtung der Eizellen im Labor

Im Labor werden die besten Samenzellen aus einer Spermaprobe des männlichen Partners oder eines Samenspenders ausgewählt. Daraufhin wird je eine einzelne Samenzelle in die zuvor gewonnenen Eizellen injiziert. Das Verfahren wird mithilfe einer feinen Kanüle ausgeführt, durch die die Samenzelle in die Eizelle gelangt.

Schritt 5: Inkubation der Eizellen

Nach der Befruchtung kommen die Eizellen in den Inkubator. Dort entwickelt sich bei Gelingen aus Eizelle und Samenzelle innerhalb der nächsten Tage ein Embryo.

Schritt 6: Transfer befruchteter Eizellen in die Gebärmutter

Wenn sich erfolgreich Embryos gebildet haben, überträgt ein Embryologe einen oder mehrere Embryos aus dem Inkubator in die Gebärmutter, wo es hoffentlich zu einer Schwangerschaft kommt. Wenn sich mehr als ein Embryo erfolgreich entwickelt, können die überzähligen Embryos eingefroren und für einen weiteren Versuch oder für künftige Geschwisterkinder genutzt werden. 

Unterschiede zwischen einer ICSI und anderen Kinderwunschbehandlungen

Wie auch die In-vitro-Fertilisation (IVF) ist die ICSI ein sehr komplexes Verfahren zur Kinderwunschbehandlung. Bei einer ICI- und IUI-Behandlung wird lediglich Sperma mit einem Kunststoffröhrchen in die Gebärmutter bzw. den Gebärmutterhals gespritzt, was für die Patientin absolut schmerzfrei ist. Diese Verfahren dauern etwa 15 Minuten, wonach die Patientin nach Hause gehen kann. Die Behandlung ist damit abgeschlossen.

Bei einer IVF und ICSI dauert die Behandlung jedoch etwas länger, da bei diesen Arten der künstlichen Befruchtung Eizellen entnommen werden müssen. In-vitro-Fertilisation (IVF) und intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) unterscheiden sich von den beiden anderen genannten Verfahren vor allem in der Dauer, die die Patientin in der Kinderwunschklinik verbringen muss, und in der körperlichen Belastung für die Patientin.

Unterschiede zwischen einer IVF- und einer ICSI-Behandlung

Der Unterschied zwischen IVF und ICSI besteht in der Art und Weise, wie die Eizelle befruchtet wird. Bei der ICSI wird eine einzelne Samenzelle direkt in die Eizelle gespritzt, wodurch die Chancen auf die Bildung eines Embryos optimal sind. Bei der IVF werden die Samenzellen lediglich zusammen mit der Eizelle in eine Petrischale gegeben, wo sie dann die Eizelle alleine finden und befruchten müssen. Da bei der ICSI die Samenzelle direkt in die Eizelle gespritzt wird, wird dieses Verfahren für Fälle männlicher Unfruchtbarkeit empfohlen, wie etwa bei niedriger Spermienmotilität.

Wann ist eine ICSI das Mittel der Wahl?

Eine ICSI ist besonders dann geeignet, wenn die Spermienmotilität bzw. Samenqualität des Mannes niedrig ist, z. B. aufgrund einer Erbkrankheit. Bei dieser Art der Behandlung werden die Samenzellen optimal unterstützt, da die Samenzellen hier aus dem Körper des Mannes entnommen und direkt in die Eizelle gespritzt werden, wodurch die Chancen, dass sich ein Embryo entwickelt, und damit letztlich die einer erfolgreichen Schwangerschaft steigen. In einigen Fällen kann eine ICSI auch als Alternative zu einer In-vitro-Fertilisation (IVF) angeboten werden. Dies kommt allerdings nur dann infrage, wenn die Eizellen der Frau gesund sind. Ist dies nicht der Fall, wird eine ICSI nicht empfohlen. 

ICSI oder IVF, durchgeführt unter dem Mikroskop

Zwillingswahrscheinlichkeit bei einer ICSI-Behandlung

Um die Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft zu erhöhen, können zwei oder mehr Embryos transferiert werden. Dadurch steigt zwangsläufig auch die Wahrscheinlichkeit von Mehrlingsschwangerschaften. Wie viele Embryos transferiert werden, entscheiden in der Regel Sie zusammen mit Ihrem Partner bzw. Ihrer Partnerin (falls vorhanden) und einem Kinderwunscharzt. Sprechen Sie darüber, bevor Sie eine ICSI-Behandlung einleiten, da das Risiko von Komplikationen bei Zwillings- bzw. Mehrlingsschwangerschaften höher ist als bei Einlingsschwangerschaften.

Wie sich die Erfolgschancen einer ICSI-Behandlung steigern lassen

Die ICSI wurde speziell für Paare konzipiert, die unter männlicher Unfruchtbarkeit leiden. Daher sollten sowohl der männliche Partner als auch die Frau ein gesundes Leben mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Sport führen. Vermeiden Sie auch bestimmte Substanzen oder Aktivitäten, die sich negativ auf Ihre Fruchtbarkeit auswirken können, wie etwa Alkohol oder Rauchen. Der Mann sollte zudem übermäßige Wärme meiden, wie etwa Saunen, heiße Bäder oder Besuche in Solarien, da Wärme die Spermienqualität beeinträchtigt.

Erfolgschancen einer ICSI-Behandlung

Laut Studien beträgt die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Schwangerschaft bei einer ICSI 24 %. Beachten Sie dabei bitte, dass es sich hierbei um einen Durchschnittswert aus einer Vielzahl von Behandlungen mit vielen verschiedenen Frauen und Männern handelt. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft bei Ihrer eigenen ICSI ist, hängt zu einem großen Teil von Ihrem Lebensstil, Ihrem Alter zum Zeitpunkt der Kinderwunschbehandlung sowie davon ab, ob Sie oder Ihr Partner unter Erbkrankheiten leiden, die Einfluss auf Ihre Fruchtbarkeit haben. 

Ein gesunder Lebensstil trägt maßgeblich zur Fruchtbarkeit bei

Wie viel kostet eine ICSI-Behandlung?

Die Kosten einer ICSI sind von Kinderwunschklinik zu Kinderwunschklinik sehr verschieden. Generell gilt, dass die ICSI eine der teuersten Kinderwunschbehandlungsmethoden ist, da Eizelle und Samenzelle entnommen werden müssen und die befruchtete Eizelle vor dem Transfer noch im Inkubator reifen muss.

Bevor Sie sich an eine Kinderwunschklinik wenden, sollten Sie sich zunächst darüber informieren, welche Regeln und Vorschriften in Ihrem Land für Kinderwunschbehandlungen gelten. So stehen in einigen Ländern beispielsweise (finanzielle) Hilfen für die Dauer der Kinderwunschbehandlung zur Verfügung. Wenn Sie sich beraten lassen möchten, welche Möglichkeiten Ihnen zur Verfügung stehen, dann melden Sie sich gerne bei unserem Customer Care Team.

Halten Sie durch

Unfruchtbarkeit ist ein Problem, das mehr Leute betrifft, als Sie vielleicht denken. Ganze 15 % aller Paare, die ein Kind bekommen möchten, sind betroffen. Sie sind also nicht allein und können, wie viele andere Paare auch, Unfruchtbarkeit überwinden und mithilfe einer Kinderwunschbehandlung oder einer Samenspende Kinder bekommen.

Eine ICSI mit Spendersamen kann dann angezeigt sein, wenn bei früheren Versuchen nur wenige Eizellen der Frau befruchtet werden konnten, nur wenige Eizellen zur Verfügung stehen oder der Partner nicht über gesunde Samenzellen verfügt. Wenn Sie an eine ICSI mit Spendersamen denken, sollten Sie einen Blick in unsere kostenlose Samenspendersuche werfen.

Auch eine Eizellspende kann ein Weg sein, schwanger zu werden. Wenn die Qualität Ihrer Eizellen nicht ausreicht, sollten Sie sich darüber Gedanken machen, ob Sie nicht vielleicht die Dienste einer Eizellspenderin in Anspruch nehmen möchten. Folgen Sie diesem Link, um mehr über Schwangerschaft durch Spendereizellen zu erfahren.