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Spenderkind Emma: Ich habe immer gefühlt, dass ich mehr als alles andere auf der Welt geliebt werde

Nach Cryos | 5/2/2019
Spenderkind Emma

Die 22-jährige Emma aus Dänemark wusste von Anfang an, dass sie mithilfe von Spendersamen gezeugt wurde. In diesem Interview lässt sie uns daran teilhaben, wie es ist, als Spenderkind aufzuwachsen. Sie erzählt uns, warum sie froh ist, dass ihr Spender Non-ID Release ist, und hat einige Ratschläge für Eltern von Kindern, die durch Samenspende gezeugt wurden.

Wie war es für dich, als Spenderkind aufzuwachsen? 

„Ich wusste immer schon, dass ich mithilfe einer Samenspende gezeugt worden war. Darüber haben wir in meiner Familie immer sehr offen gesprochen.

Als ich noch ein Baby war, haben meine Eltern ein Kinderbuch für mich über das „Wie“ und „Warum“ ein Spenderkind zu sein gemacht. Es war ein persönliches und lehrreiches Buch mit Zeichnungen und Bildern von Familie und Freunden. Wir lasen das Buch als Gutenachtgeschichte und ich verstand mit der Zeit immer mehr. Wann ich es dann aber tatsächlich „wusste“, kann ich nicht sagen. Ich habe immer gefühlt, dass ich mehr als alles andere auf der Welt geliebt werde. Natürlich gab es auch schlechte Tage, an denen ich mir etwas anderes gewünscht hätte, aber das verging meist ziemlich schnell.

Manchmal muss ich an meinen Spender denken, zum Beispiel als meine Laktoseintoleranz festgestellt wurde.“

Spenderkind Emma

Wünscht du dir, dass sich deine Eltern irgendwie anders entschieden hätten?

„Nein, auf keinen Fall! Ich habe mir nie gewünscht, dass etwas anders ist. Ich weiß aber, dass sich meine Eltern über viele ihrer Entscheidungen im Nachhinein nicht sehr sicher waren, besonders wenn man von den vielen unschönen Geschichten hört. Ich weiß aber, dass sie ihr Bestes getan haben. Es hätte für mich nicht besser laufen können.“

Wie findest du, dass dein Spender anonym ist? 

„Damals, als ich gezeugt wurde, gab es keine nicht-anonymen Spender (Non-ID Release), daher hatten meine Eltern diesbezüglich keine Wahl. Für meine Familie und mich war die Anonymität nie ein Problem. Im Gegenteil. Sie war vielmehr eine Erleichterung. Viele Fragen, Unsicherheiten und Entscheidungen stellten sich dadurch gar nicht erst. So war es einfacher.

Ich wusste immer schon, dass ich mithilfe eines Samenspenders gezeugt worden war, wollte aber den Spender oder mögliche Kinder desselben Spenders nie kennenlernen. Ich bin ihm für seine Entscheidung, Samenspender zu werden, dankbar, ich möchte ihn aber nicht als Teil meines Lebens haben. Ich hoffe, er denkt genauso, und wünsche ihm für sein Leben alles Gute!“

Hast du Tipps für Eltern von Spenderkindern? 

„Ich möchte Eltern von Spenderkindern raten, ihren Kindern in einer netten und ruhigen Weise so früh es geht die Wahrheit zu sagen. Ich denke, dass es wichtig ist, diese Tatsache nicht mit etwas Schlechtem zu verbinden. Kinder lassen sich von den Gefühlen ihrer Eltern leicht beeinflussen, sodass es besonders wichtig ist, gut zu überlegen, was man den Kindern erzählt und wie. Ich glaube, dass wenn Eltern darüber sprechen und sehr nervös und unsicher sind, die Kinder das wahrnehmen und misstrauisch werden.

Ein Buch, wie das meiner Eltern, kann hier meiner Meinung nach eine tolle Hilfe sein, die Sicherheit gibt. Das Kind hört die gleiche Geschichte immer wieder und wird nach und nach immer mehr verstehen. Wenn es etwas genauer wissen möchte, kann es fragen. Die Eltern können so das Dilemma, wann und wie sie das Thema ansprechen sollen, einfach umgehen. Ihre Beziehung zum Kind bleibt unbelastet.

Für mich war es nie eine große Sache, dass ich mithilfe einer Samenspende gezeugt wurde. In meinem Herzen weiß ich ganz genau, wer meine Mutter und wer mein Vater ist.“

Möchtest du uns sonst noch etwas auf den Weg geben?

„Ich kenne Leute, die sich nicht sicher sind, ob es moralisch vertretbar ist, ein Kind mithilfe einer Samenspende auf die Welt zu bringen. Das ist absoluter Quatsch! Ich habe bislang ein wunderbares Leben. Auch Statistiken zeigen, dass es Spenderkindern genauso gut geht wie anderen Kindern auch.

Mit dem Kinderkriegen per Samenspende sollte offener umgegangen werden. Ich hoffe wirklich, dass wir mit dem Thema irgendwann lockerer umgehen können und offen für andere Sichtweisen bleiben. Es würde mich freuen, wenn meine Erfahrungen zu einer ausgewogeneren Debatte beitragen und man nicht immer nur von den schlechten Erfahrungen hört.“

/Love Emma Grønbæk

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