PrivatpersonenBlogWarum wir uns nicht mehr darum gekümmert haben, wie unser Spender aussieht
LGBT, Samenspender

Teddys Spender ist Musiker und bewegt sich gerne

By Cryos | 9/13/2020
Teddys Spender ist Musiker und bewegt sich gerne

Lisa ist YouTuberin und zusammen mit Lynsey Mutter von Teddy. Sie haben ihren Sohn mithilfe einer  In-vitro-Fertilisation mit dem Sperma eines  ID-Release-Spenders bekommen. Hier erzählt uns Lisa von ihren Erfahrungen bei der Suche nach dem perfekten Spender. 

Die Suche nach dem perfekten Spender kann Angst machen, ist aber auch ein großartiges Erlebnis! Sie ist ein echter Meilenstein auf dem Weg zum eigenen Kind. Auch so schon stellt man sich vor, wie das künftige Kind sein wird: Wenn Sie aber die andere Hälfte seiner DNA aussuchen, fährt Ihr Verstand erst richtig Achterbahn! 

Jemand wie man selbst 

Vor allem bei lesbischen Paaren ist es, denke ich, normal, dass man zunächst nach einem Spender sucht, der der nicht-biologischen Mutter ähnlich sieht. Das ist sinnvoll, insbesondere wenn die beiden Menschen deutlich anders aussehen. Meine Frau und ich sind beide weiß und haben beide dunkelbraunes Haar. Aber obwohl unser Aussehen in vielerlei Hinsicht ähnlich ist, war ich lange auf einen Spender fixiert, der insbesondere mir ähnlich sieht. Er sollte dunkle Augen und eine olivfarbene Haut haben, was Lynsey immer zum Lachen brachte, da sie bezüglich meines Teints ganz anderer Meinung war. Ich und olivefarbene Haut? Quatsch. 

So einigten wir uns auf unseren ersten Spender. Um ehrlich zu sein, kann ich mich, was den Spender angeht, nicht mehr wirklich an viel erinnern, außer dass er eben dunkle Haare, dunkle Augen und eine olivfarbene Haut hatte. Im Nachhinein betrachtet war er nicht der richtige Spender für uns. Aber wir haben die Behandlung weitergeführt, vier IUIs nacheinander, alle erfolglos. 

Spenderkind Teddy mit einer seiner Mütter

Nicht nach Plan 

Das Jahr 2018 begann für uns intensiv: vier Zyklen, vier negative Tests. Ich weiß. Im Vergleich zu dem, was einige andere Paare durchgemacht haben, ist das nichts. Für uns war es dennoch hart. Für uns kam es unerwartet, denn wir hatten, naiv wie wir waren, erwartet, dass es einfacher wäre, schwanger zu werden. Als das nicht klappte, trafen wir die wichtigste Entscheidung, die wir je in Bezug auf unsere Kinderwunschbehandlung getroffen haben – wir nahmen uns eine Auszeit. 

Wir machten eine Pause, Lynsey stellte ihre Ernährung und ihr Training um, wir wechselten die Klinik und die Behandlungsmethode und vor allem: Wir wechselten unseren Spender. Als es an die Suche nach Spender Nummer zwei ging, stellten wir fest, dass sich unsere Prioritäten geändert hatten, und zwar drastisch. Die Erleuchtung kam mir an einem Nachmittag, als ich Zeit mit meiner Schwester und meinen Nichten verbrachte. Meine Schwester sieht aus wie ich, also dunkle Augen, glattes, dunkles Haar. Meine Nichte dagegen hat einen blonden, lockigen Wuschelkopf. Als ich die beiden spielen sah, wurde mir eines klar: Mein Kind würde sich nicht weniger als mein Kind fühlen, auch wenn die genetischen Ähnlichkeiten geringer wären. 

Damit hatte sich die zwanghafte Fixierung auf das Aussehen des Spenders erledigt. Stattdessen achteten wir nun auf  Persönlichkeit und Lebensstil. Allerdings habe ich auf einem Körpermerkmal bestanden. Der Spender musste groß sein. Mit meinen 1,62 m (ich bin jetzt mal großzügig) wollte ich, wenn ich in Zukunft auch weiter denselben Spender nutze, meinen Kindern einen kleinen Größenvorsprung vor mir geben. 

Spenderkind Teddy mit einer seiner Mütter

Szenenwechsel 

Also machten wir uns auf die Suche, dieses Mal nicht nach Augen- oder Haarfarbe, sondern nach Interessen und Lebenslauf. So fanden wir den perfekten Spender: einen kreativen Musiker, der sich gerne fit hält. Wir waren vom Spender angetan und uns in unserer Entscheidung völlig einig. So setzten wir unsere In-vitro-Fertilisation mit dem neuen Spender fort und hatten Glück. Schon bei unserem ersten Embryotransfer wurden wir schwanger.  Glück ist irgendwie nicht das richtige Wort dafür, denn wir haben gefühlt wirklich hart dafür gearbeitet. Lynsey hatte ihren Lebensstil völlig verändert. Die Schwangerschaft  fühlte sich für sie wie eine richtige Belohnung an. 

Das interessanteste Gespräch, das wir nach dem positiven Schwangerschaftstest geführt haben, hatte unseren ersten Spender zum Thema. Nachdem Teddy zur Welt gekommen war, gestand mir Linsey, dass sie von vornherein wusste, dass sie niemals mit unserem ursprünglichen Spender schwanger werden würde. Sie war nie wirklich davon überzeugt, dass er der Richtige war. Ich habe mich oft gefragt, warum sie vorher nichts gesagt hat, aber ich denke, diese Dinge brauchen eine Weile, bis sie an die Oberfläche kommen. Und vielleicht mussten wir erst die Fehlschläge durchmachen, um uns klar zu werden, wen wir als Spender wollten. 

Offen bleiben 

Wenn uns jemand fragt, was man bei der Wahl eines Spenders beachten sollte, sagen wir immer „flexibel bleiben“. Du musst bereit sein, auch Wege zu beschreiten, die ursprünglich nicht vorgesehen waren. Und du wirst wissen, wenn du angekommen bist. 

Lisa und Lynsey lassen uns auf ihrem YouTube-Kanal Teddy Has Two Mams an ihrem Leben mit dem süßen kleinen Teddy teilhaben. Wenn Sie den beiden nicht schon folgen, sollten Sie ihrem tollen, inspirierenden YouTube-Kanal bald mal einen Besuch abstatten. 

Wenn Sie zwei Frauen sind und darüber nachdenken, sich mithilfe einer Samenspende den Traum vom eigenen Kind zu erfüllen, besuchen Sie doch als Erstes die kostenlose Spendersuche von Cryos.