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Unfruchtbarkeit und Behandlung

Was Sie über niedrige Spermienmotilität wissen sollten

Was ist eine niedrige Spermienmotilität, wie lässt sich diese vermeiden und wie bekommt man trotzdem ein Kind

In den letzten Jahren war die Spermienmotilität ein regelmäßiges Thema in der Fruchtbarkeitsforschung. Eine niedrige Spermienmotilität bei Männern trägt dazu bei, dass immer mehr Paare nur mit einer Kinderwunschbehandlung ein Kind bekommen können. In diesem Blogartikel schauen wir uns an, was eine niedrige Spermienmotilität überhaupt ist, welche Ursachen sie meist hat und was man dagegen tun kann.

Wann gilt die Spermienmotilität als niedrig?

Spermienmotilität bezeichnet die Qualität der Samenzellen und wird mittels Spermiogramm, einer Samenanalyse, ermittelt. Eine niedrige Spermienmotilität definiert sich durch viele verschiedene Faktoren. Dazu gehören Größe und Form der Samenzellen, die Anzahl aktiver Zellen pro Million und die schnelle und effiziente (progressive) Bewegung in Richtung Ziel, der Eizelle.

Nach einem WHO-Bericht von 2021 sollte ein Ejakulat mindestens 42 % motile Samenzellen und mindestens 30 % progressive Samenzellen enthalten. Ist die Motilität bei Ihnen geringer, liegt eine niedrige Spermienmotilität vor. 

Bei einer niedrigen Spermienmotilität ist die Beweglichkeit der Samenzellen reduziert

Darstellung einer normalen Samenzelle mit hoher Motilität sowie einer Samenzelle mit anormaler Motilität

Ursachen einer niedrigen Spermienmotilität

Die Spermienmotilität wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Manche davon sind temporär und einfach zu ändern, andere wiederum sind langanhaltend, vielleicht sogar permanent. Das bedeutet, dass die Spermienmotilität bei einem Mann von Woche zu Woche schwanken kann. Vergessen Sie das bitte nicht. Wenn Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt eine niedrige Spermienmotilität haben, heißt das nicht, dass Sie nicht irgendwann auch ohne Hilfe Kinder bekommen können.

  • Einer der wichtigsten Einflussfaktoren bei niedriger Spermienmotilität ist ein ungesunder Lebensstil. So beeinträchtigen Rauchen, ungesundes Essen und Alkohol die Spermienqualität.
  • Auch die Aussetzung der Hoden gegenüber hohen Temperaturen ist schlecht für die Spermienmotilität. Meiden Sie Saunen, heiße Bäder und Solarien. Das gleiche gilt für enge Unterwäsche, da sich auch so die Temperatur übermäßig erhöhen kann, worunter die Spermienmotilität leidet. Eine weitere Ursache für eine niedrige Spermienmotilität können Infektionen im Genitalbereich, wie etwa Chlamydien oder Gonorrhoe, sein.
  • Bei einigen Männern ist eine niedrige Spermienmotilität erblich bedingt und nicht die Folge externer Faktoren. Das war etwa bei Enrico der Fall, der mit seiner Frau Verena eine Familie gründen wollte. Als sie feststellen mussten, dass er keine aktiven Samenzellen hatte, drohte der Traum zu zerplatzen. Glücklicherweise kann man, selbst wenn überhaupt keine Samenzellen vorhanden wären, noch Kinder bekommen. Und zwar mithilfe eines Samenspenders.

Im folgenden Video spricht Allan Pacey, Fachmann für männliche Unfruchtbarkeit, über niedrige Spermienmotilität und -qualität und wie Männer diese erleben.

Wie sich die Spermienmotilität steigern lässt

Die Spermienmotilität lässt sich bei vielen Männern durch eine Änderung des Lebensstils erreichen. Beachten Sie dabei jedoch, dass es etwa drei Monate dauert, bis Verbesserungen der Spermienqualität sichtbar werden. Sie sollten also rechtzeitig damit anfangen, bevor Sie es mit dem Kinderkriegen versuchen.

Richtige Ernährung für eine höhere Spermienmotilität

Wenn Sie Ihre Spermienmotilität erhöhen möchten, sollten Sie unbedingt auf Ihre Ernährung achten. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse ist reich an Antioxidantien, die wiederum mit einer hohen Spermienqualität in Verbindung gebracht werden. Studien haben gezeigt, dass unter anderem folgende Nahrungsmittel einen positiven Einfluss auf die Spermienmotilität haben:

  • Gemüse
  • Obst
  • Nüsse
  • Vollkorngetreide
  • Maca-Wurzel
  • Fisch
  • Meeresfrüchte

Sport für eine höhere Spermienmotilität

Wenn Ihre Spermienmotilität niedrig ist, können Sie diese auch durch regelmäßigen Sport verbessern. Laut Studien ist die Spermienzahl bei Männern, die regelmäßig Sport treiben, höher. Wenn Sie Ihre Spermienmotilität mit Sport steigern möchten, sollten Sie darauf achten, dies regelmäßig zu tun und es nicht zu übertreiben. Denn zu viel Sport kann den gegenteiligen Effekt haben und Ihre Spermienmotilität noch weiter senken. 

Steigern Sie Ihre Spermienmotilität durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung

Kann man auch bei einer niedrigen Spermienmotilität schwanger werden?

Selbst wenn Ihre Spermienmotilität niedrig ist, können Sie noch auf natürlichem Wege ein Kind bekommen. Denn die Motilität ist nicht immer gleich. Häufig wird Ihnen von Kinderwunschärzten empfohlen, es zunächst einmal eine Zeit lang auf natürlichem Wege zu versuchen und möglichst alle zwei bis drei Tage Sex zu haben, um so die Chancen auf eine Schwangerschaft zu maximieren.

Achten Sie in dieser Zeit besonders auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung und reduzieren Sie Alkohol und Rauchen auf ein Minimum. Bei vielen Paaren klappt es auf diese Weise. Falls Sie nicht dazugehören, können Sie immer noch auf Kinderwunschbehandlungen zurückgreifen und so mit Ihrer Partnerin schwanger werden.

Behandlungsmethoden bei einer niedrigen Spermienmotilität

Wenn Sie ein Jahr oder länger erfolglos versucht haben, schwanger zu werden, leiden Sie gemäß der Definition der WHO unter Unfruchtbarkeit und benötigen möglicherweise Hilfe, um ein Kind zu bekommen. In den meisten Ländern können Sie sich in Krankenhäusern oder auch privat in Kinderwunschkliniken einer Kinderwunschbehandlung unterziehen, um zusammen mit Ihrer Partnerin ein Kind zu bekommen. Hier möchten wir Ihnen drei verschiedene Arten der Kinderwunschbehandlung vorstellen.

IUI-Behandlung

Die IUI (intrauterine Insemination) ist eine Behandlung, bei der das Sperma direkt in die Gebärmutter der Frau gespritzt wird. Wenn Sie unter einer niedrigen Spermienmotilität leiden, kann eine IUI-Behandlung Ihren Samenzellen den Start erleichtern, da sie sich näher an der Eizelle befinden. So erhöht sich zudem die Chance, dass die Eizelle von einer Samenzelle befruchtet wird.

Das Verfahren ist sehr beliebt, da es schnell und nahezu schmerzfrei ist, und wird in einer Kinderwunschklinik durchgeführt.

IVF-Behandlung

Die IVF-Behandlung (In-vitro-Fertilisation) ist eine fortpflanzungsmedizinische Behandlungsmethode. „In vitro“ bedeutet „im Glas“. Dies kommt daher, dass bei dieser Methode die Eizelle in einer Petrischale von Hand mit dem Sperma befruchtet wird. Nach der Befruchtung bildet sich ein Embryo, der dann von den Ärzten aus der Petrischale in die Gebärmutter übertragen wird und dort, wenn alles gut läuft, zu einer Schwangerschaft führt.

ICSI-Behandlung

Eine ICSI (intrazytoplasmatische Spermieninjektion) ist eine besondere Form der In-vitro-Fertilisation (IVF), bei der ein Spermium zur Befruchtung direkt in eine Eizelle injiziert wird. Da hier die Samenzelle direkt in die Eizelle eingebracht wird, eignet sich diese Kinderwunschbehandlung besonders gut, wenn Ihre Spermienmotilität niedrig ist. Die Behandlung ist auch dann empfehlenswert, wenn es bei vorangegangenen In-vitro-Fertilisationen zu keiner Befruchtung oder zur Befruchtung nur weniger Eizellen kam.

Sollten Sie über gar keine gesunden Samenzellen mehr verfügen, kann die ICSI-Behandlung mit Spendersamen durchgeführt werden.

Was können Sie tun, wenn Ihre Partnerin mit Ihrem Sperma nicht schwanger wird?

Wenn sich selbst nach Kinderwunschbehandlungen keine Schwangerschaft einstellt und die Unfruchtbarkeit ihren Grund in einer niedrigen Spermienmotilität hat, können Sie Ihren Kinderwunsch immer noch erfüllen: mit einer Kinderwunschbehandlung unter Verwendung von Spendersamen. Viele Paare entscheiden sich für diese Lösung. Und auch wenn das sicherlich nicht das ist, was sie sich anfangs vorgestellt hatten, können sie so noch glückliche Eltern von gesunden Kindern werden.

Interessieren Sie sich für persönliche Geschichten zu männlicher Unfruchtbarkeit? Dann lesen Sie doch unseren Blogartikel über Johan und wie es ist, Vater eines Spenderkinds zu sein. Johan berichtet darin, wie er und seine Freundin, trotz niedriger Spermienmotilität, Eltern wurden.