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Eltern von Spenderkindern, LGBT

Zwei Mütter und vier Spenderkinder: die Geschichte von Helga und Maria – Teil 1

Nach Cryos | 11/12/2019
Zwei Mütter: Helga und Maria

Die beiden Däninnen Helga und Maria wussten bereits zu Beginn ihrer Beziehung, dass sie gemeinsam Kinder haben wollten. Und nicht nur das. Jede wollte jeweils zwei Kinder zur Welt bringen. Damals wussten sie aber noch nicht, wie sie diesen Traum wahr werden lassen konnten. Hier erzählen Ihnen Helga und Maria, wie sie als lesbisches Paar zu Müttern von vier Kindern wurden.

Ein Zeitungsartikel macht zuversichtlich

„Wir haben uns immer Kinder gewünscht. Als wir zusammen in einer Kindertagesstätte in Oslo gearbeitet haben, wurde uns beiden klar, wie sehr wir uns Kinder wünschen. Und wir waren uns sicher, dass wir sie zusammen haben wollten. Damals wussten wir allerdings noch nicht, wie wir unseren Traum, Mütter zu werden, wahr werden lassen könnten. Das war erst soweit, als Helga auf einen Artikel über ein Paar stieß, das die Dienste einer Kinderwunschklinik in Anspruch genommen hatte. Der Artikel machte uns zuversichtlich, und weckte die Hoffnung, unseren Traum, eine große Familie zu werden, wirklich wahr werden lassen zu können.“

Wir planen die Schwangerschaft

„Wir hatten von Anfang an den Wunsch, jeweils zwei Kinder zur Welt zu bringen. Wir waren uns ganz sicher, dass Maria zwei Mädchen und Helga zwei Jungen bekommen würde.

Im Sommer 2001 fuhren wir nach Kopenhagen, um uns die Kinderwunschklinik anzusehen. Wir erinnern uns noch, wie wir nach dem Besuch in der Klinik zum Rathausplatz gegangen sind. Dort haben wir einen Kalender gekauft, in dem wir direkt angefangen haben, die nächsten Jahre unseres Lebens zu planen. Wer sollte zuerst schwanger werden? Was wäre der beste Zeitpunkt in Hinblick auf Studium und Mutterschaftsurlaub?

Der Samenspender ist schnell gefunden

„Inzwischen kannten wir uns schon seit vielen Jahren und konnten es kaum noch abwarten, das Projekt „Baby“ endlich in Angriff zu nehmen. Wir mussten nicht lange darüber nachdenken, um zu entscheiden, dass Maria unser erstes Kind austragen sollte. So arrangierten wir ein Gespräch mit der Kinderwunschklinik. Als wir die Klinik wieder verließen, hatten wir uns bereits für einen Samenspender entschieden und den Termin für die Insemination festgelegt. Damals, im Jahr 2001, war eine Insemination nur mit dem Sperma eines anonymen Spender (Non-ID Release) erlaubt. Wir konnten aber Einfluss auf Faktoren wie Größe, Gewicht und Haarfarbe nehmen und haben so einen Spender ausgesucht, der zu Maria passte.“

Beim ersten Versuch schwanger

„Wir wussten, dass es längere Zeit dauern könnte, schwanger zu werden. Wir hatten uns so gut wie wir konnten vorbereitet und viel über das Thema Schwangerschaft gelesen. Die Insemination bei Maria fand im Oktober 2001 statt, eine Woche nachdem wir uns als lesbisches Paar geoutet hatten. Es war verrückt, aber gleichzeitig fühlte es sich einfach unglaublich richtig an.

Die Tage vergingen und wir machten eine Unmenge an Schwangerschaftstests. Maria wurde schon beim ersten Versuch schwanger. Wir waren so glücklich. Wir gehörten zu den ersten in unserem Freundeskreis, die ein Kind erwarteten, und wir bekamen so viel Unterstützung. Ein echtes Glücksgefühl!

Die Monate vergingen und die Schwangerschaft verlief wie geplant. Die Geburt war dann allerdings nicht so einfach. Die kleine Ida lang falsch herum, so dass am Ende ein Notkaiserschnitt gemacht werden musste und 16 Tage Krankenhausaufenthalt auf uns warteten.“

Stünde derselbe Spender auch für Geschwister zur Verfügung?

„Nach der Geburt von Ida begannen wir zu überlegen, ob es vielleicht noch mehr Spendersamen von unserem Spender gab? Wir konnten unseren Kindern zwar keinen Vater geben, eine gemeinsame Herkunft wäre mit dem Sperma desselben Spenders aber möglich. Dieses Geschenk wollten wir ihnen machen. Das war uns wichtig. Wir dachten, dass es später im Leben etwas für unsere Kinder und ihr Verbundenheitsgefühl bedeuten würde, wenn sie Gemeinsamkeiten in Bezug auf ihre Gedanken, Interessen und ihre Lebensweise hätten.

Zum Glück gab es mehr Spendersamen vom selben Spender. Passenderweise hatten wir aufgrund eines Wasserschadens gerade einen üppigen Scheck von unserer Versicherung bekommen. Jede einzelne Krone haben wir für das Sperma unseres Spenders ausgegeben. Wir konnten uns alle 28 Halme sichern. Da es keine Garantie gab, dass auch die folgenden Inseminationen genauso einfach wie die erste verlaufen würden, dachten wir uns, dass es gut wäre, einen kleinen Vorrat zu haben.“

Beim ersten Versuch schwanger, schon wieder!

„Nach etwa einem Jahr haben wir erneut einen Blick in unsere Kalender geworfen und beschlossen, dass es an der Zeit für Helgas Insemination sei. Diesmal war die Insemination etwas kniffliger, da es nicht ganz einfach war, die Fahrtzeiten des Zuges nach Kopenhagen mit dem Eisprung von Helga in Einklang zu bringen. In der Klinik wurde uns zudem gesagt, dass wir beim ersten Mal Glück gehabt hätten. In der Regel müssten Frauen oft 5, 6 und vielleicht sogar noch öfter einer Insemination unterzogen werden, bevor sie schwanger würden.

Nach der Insemination haben wir wieder viele Schwangerschaftstests gemacht und das Ergebnis war wieder positiv. Zum zweiten Mal waren wir schon beim ersten Versuch schwanger. Helga brachte 9 Monate später unseren Sohn Elias zur Welt. Wir waren also voll im Plan – zwei Kinder im Abstand von zwei Jahren.“

Da stoßen eher zwei Flugzeuge zusammen

„Nach einem weiteren Jahr beschlossen wir, dass es für uns mal wieder an der Zeit sei, die Kinderwunschklinik zu besuchen. Wir waren unheimlich aufgeregt und hatten natürlich die Hoffnung, dass es auch dieses Mal gleich beim ersten Mal mit der Schwangerschaft klappen würde. In der Klinik waren sie weitaus weniger optimistisch. Sie sagten, dass die Wahrscheinlichkeit, schon wieder beim ersten Versuch schwanger zu werden, sehr gering sei, ungefähr so, wie dass zwei Flugzeuge in der Luft zusammenstoßen. Die Tage vergingen, und wieder einmal gaben wir ein Vermögen für Schwangerschaftstests aus. Am 16. Tag nach der Insemination konnten wir glücklich verkünden, dass Maria schwanger war. Wieder einmal beim ersten Versuch. Wir riefen die Kinderwunschklinik an. Sie konnten es kaum glauben. Uns ging es nicht anders. 9 Monate später kam die kleine Julie durch einen geplanten Kaiserschnitt zur Welt.“

Eines fügt sich zum anderen

„Nach der Geburt von Julie haben wir eine lange Pause von Schwangerschaft, Geburt und Stillen eingelegt. Das war zwar nicht Teil unseres Plans, da wir uns einen Abstand von zwei Jahren zwischen all unseren Kindern gewünscht hatten. Doch der Zeitpunkt war einfach nicht der richtige für uns, also haben wir abgewartet. Am Ende vergingen 6 Jahre, bevor wir uns wieder bereit fühlten. Wir hatten unsere zwei Mädchen und einen Jungen, also fehlte uns jetzt, wenn es nach Plan laufen sollte, noch ein Junge.

Die Insemination bei Helga wurde 2012 durchgeführt. Und um es kurz zu machen: Auch diesmal haben wir im ersten Versuch einen Treffer gelandet. Im Januar 2013 hielten wir unser letztes Puzzlestück in den Händen – unsere kleine Emmelie.

/Helga und Maria