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Eltern von Spenderkindern, LGBT

Zwei Mütter und vier Spenderkinder: die Geschichte von Helga und Maria

Zwei Mütter: Helga und Maria

Die beiden Däninnen Helga und Maria wussten bereits zu Beginn ihrer Beziehung, dass sie gemeinsam Kinder haben wollten. Und nicht nur das. Jede wollte jeweils zwei Kinder zur Welt bringen. Damals wussten sie aber noch nicht, wie sie diesen Traum wahr werden lassen konnten. Hier erzählen Ihnen Helga und Maria, wie sie als lesbisches Paar zu Müttern von vier Kindern wurden.

Ein Zeitungsartikel macht zuversichtlich

„Wir haben uns immer Kinder gewünscht. Als wir zusammen in einer Kindertagesstätte in Oslo gearbeitet haben, wurde uns beiden klar, wie sehr wir uns Kinder wünschen. Und wir waren uns sicher, dass wir sie zusammen haben wollten. Damals wussten wir allerdings noch nicht, wie wir unseren Traum, Mütter zu werden, wahr werden lassen könnten. Das war erst soweit, als Helga auf einen Artikel über ein Paar stieß, das die Dienste einer Kinderwunschklinik in Anspruch genommen hatte. Der Artikel machte uns zuversichtlich, und weckte die Hoffnung, unseren Traum, eine große Familie zu werden, wirklich wahr werden lassen zu können.“

Wir planen die Schwangerschaft

„Wir hatten von Anfang an den Wunsch, jeweils zwei Kinder zur Welt zu bringen. Wir waren uns ganz sicher, dass Maria zwei Mädchen und Helga zwei Jungen bekommen würde.

Im Sommer 2001 fuhren wir nach Kopenhagen, um uns die Kinderwunschklinik anzusehen. Wir erinnern uns noch, wie wir nach dem Besuch in der Klinik zum Rathausplatz gegangen sind. Dort haben wir einen Kalender gekauft, in dem wir direkt angefangen haben, die nächsten Jahre unseres Lebens zu planen. Wer sollte zuerst schwanger werden? Was wäre der beste Zeitpunkt in Hinblick auf Studium und Mutterschaftsurlaub?

Der Samenspender ist schnell gefunden

„Inzwischen kannten wir uns schon seit vielen Jahren und konnten es kaum noch abwarten, das Projekt „Baby“ endlich in Angriff zu nehmen. Wir mussten nicht lange darüber nachdenken, um zu entscheiden, dass Maria unser erstes Kind austragen sollte. So arrangierten wir ein Gespräch mit der Kinderwunschklinik. Als wir die Klinik wieder verließen, hatten wir uns bereits für einen Samenspender entschieden und den Termin für die Insemination festgelegt. Damals, im Jahr 2001, war eine Insemination nur mit dem Sperma eines anonymen Spender (Non-ID Release) erlaubt. Wir konnten aber Einfluss auf Faktoren wie Größe, Gewicht und Haarfarbe nehmen und haben so einen Spender ausgesucht, der zu Maria passte.“

Beim ersten Versuch schwanger

„Wir wussten, dass es längere Zeit dauern könnte, schwanger zu werden. Wir hatten uns so gut wie wir konnten vorbereitet und viel über das Thema Schwangerschaft gelesen. Die Insemination bei Maria fand im Oktober 2001 statt, eine Woche nachdem wir uns als lesbisches Paar geoutet hatten. Es war verrückt, aber gleichzeitig fühlte es sich einfach unglaublich richtig an.

Die Tage vergingen und wir machten eine Unmenge an Schwangerschaftstests. Maria wurde schon beim ersten Versuch schwanger. Wir waren so glücklich. Wir gehörten zu den ersten in unserem Freundeskreis, die ein Kind erwarteten, und wir bekamen so viel Unterstützung. Ein echtes Glücksgefühl!

Die Monate vergingen und die Schwangerschaft verlief wie geplant. Die Geburt war dann allerdings nicht so einfach. Die kleine Ida lang falsch herum, so dass am Ende ein Notkaiserschnitt gemacht werden musste und 16 Tage Krankenhausaufenthalt auf uns warteten.“

Stünde derselbe Spender auch für Geschwister zur Verfügung?

„Nach der Geburt von Ida begannen wir zu überlegen, ob es vielleicht noch mehr Spendersamen von unserem Spender gab? Wir konnten unseren Kindern zwar keinen Vater geben, eine gemeinsame Herkunft wäre mit dem Sperma desselben Spenders aber möglich. Dieses Geschenk wollten wir ihnen machen. Das war uns wichtig. Wir dachten, dass es später im Leben etwas für unsere Kinder und ihr Verbundenheitsgefühl bedeuten würde, wenn sie Gemeinsamkeiten in Bezug auf ihre Gedanken, Interessen und ihre Lebensweise hätten.

Zum Glück gab es mehr Spendersamen vom selben Spender. Passenderweise hatten wir aufgrund eines Wasserschadens gerade einen üppigen Scheck von unserer Versicherung bekommen. Jede einzelne Krone haben wir für das Sperma unseres Spenders ausgegeben. Wir konnten uns alle 28 Halme sichern. Da es keine Garantie gab, dass auch die folgenden Inseminationen genauso einfach wie die erste verlaufen würden, dachten wir uns, dass es gut wäre, einen kleinen Vorrat zu haben.“

Eines fügt sich zum anderen

„Nach der Geburt von Julie haben wir eine lange Pause von Schwangerschaft, Geburt und Stillen eingelegt. Das war zwar nicht Teil unseres Plans, da wir uns einen Abstand von zwei Jahren zwischen all unseren Kindern gewünscht hatten. Doch der Zeitpunkt war einfach nicht der richtige für uns, also haben wir abgewartet. Am Ende vergingen 6 Jahre, bevor wir uns wieder bereit fühlten. Wir hatten unsere zwei Mädchen und einen Jungen, also fehlte uns jetzt, wenn es nach Plan laufen sollte, noch ein Junge.

Die Insemination bei Helga wurde 2012 durchgeführt. Und um es kurz zu machen: Auch diesmal haben wir im ersten Versuch einen Treffer gelandet. Im Januar 2013 hielten wir unser letztes Puzzlestück in den Händen – unsere kleine Emmelie.

Spenderkinder

Ehrlichkeit und Offenheit gegenüber den Kindern

„Schon als die Kinder noch klein waren, haben wir mit ihnen vermittelt, wie wichtig es ist, offen und ehrlich darüber zu sprechen, wie sie sich fühlen, mit zwei Müttern aufzuwachsen. Für Ida, unsere älteste Tochter, haben wir ein Buch geschrieben, in dem wir ihr erklären, worüber wir nachgedacht haben, als wir Kinder bekommen wollten. Außerdem enthält das Buch ein paar emotionale Geschichten aus der Schwangerschaft. Wir dachten, dass sie sich später vielleicht einmal dafür interessiert, welche Gedanken wir uns am Anfang gemacht haben, bis wir sie endlich in unseren Armen halten durften.“

Warum hat Ida zwei Mamas?

„Als die Kinder noch klein waren, halfen wir ihnen dabei, ihre Geschichte zu erzählen, wenn sie von anderen Kinder im Kindergarten gefragt wurden. Kinder sind sehr offen und sprechen direkt an, was sie sehen. Wir haben die Frage „Warum hat Ida zwei Mamas?“ unzählige Male gehört und erklärt, wie es dazu gekommen ist. Manchmal auch mehr als einmal, denn als Kind muss man manche Dinge eben öfter hören, um sie zu begreifen."

Bei Familie geht es um Liebe

„In unserer Tätigkeit als Pädagogen legen wir großen Wert darauf, dass es unterschiedliche Arten von Familien und kein richtig oder falsch gibt, solange Liebe im Spiel ist. Wir möchten dazu beitragen, Kindern eine differenziertere Sicht auf verschiedene Formen von Familie zu vermitteln. Anders als Erwachsene sind Kinder nicht so voreingenommen. Sie sind neuen Erkenntnissen und Wissen gegenüber offener und nehmen diese gerne an. Wir als Erwachsene sollten nicht für unsere Kinder bestimmen, was richtig oder falsch ist.“

Ein bewegender Besuch in der Kinderwunschklinik

„Als die Kinder noch kleiner waren, nahmen wir jedes Jahr an einer Veranstaltung für Spenderkinder in der Kinderwunschklinik teil. Hier konnten unsere Kinder andere Kinder treffen, die ebenfalls zwei Mütter haben. Letzten Sommer haben wir die Kinderwunschklinik nach längerer Zeit wieder alle zusammen besucht. Es war für uns ein bewegender Besuch, und wir hatten das Gefühl, dass er auch für unsere drei älteren Kinder etwas Besonderes war. Sie hatten viele Fragen und fühlten sich als Teil von etwas Größerem. Wir als Mütter waren gerührt, Leute zu sehen, die wie wir damals vor 17 Jahren ganz aufgeregt und hoffnungsvoll im Wartezimmer sitzen und sich eine größere Familie wünschen. Nun saßen wir also da, mit unseren tollen Kindern und unserem wunderbaren Regenbogenleben. Auch der Frau, die uns in der Klinik herumführte, ging der Besuch sichtlich zu Herzen, da es auch für sie ein bedeutsames Treffen war.

Es ist in Ordnung, über Frust zu sprechen

„Als unsere Kinder schließlich älter waren, haben wir betont, dass es mehr als in Ordnung ist, offen darüber zu sprechen, wenn sie das Aufwachsen in einer Regenbogenfamilie als Last empfinden. Uns war es immer wichtig, dass unsere Kinder wissen, dass sie uns alles sagen können und dass es völlig in Ordnung ist, uns zu sagen, was sie von unseren damaligen Entscheidungen halten. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass unsere Kinder die ganzen Umstände nicht als unnatürlich empfinden. Sie haben sich nicht anders oder „falsch“ gefühlt, und es gab keinen Moment in ihrem Leben, in dem sie sich etwas anderes gewünscht hätten. Denn wie sie so schön sagen: „Wir kennen nichts anderes“.

Wir haben unserem Sohn, dem einzigen Jungen in der Familie, besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Er befindet sich in einer besonderen Situation, da er allein unter 5 Frauen aufwächst. Er glaubt allerdings nicht, dass er etwas verpasst hat. Manchmal haben wir ihn mit seinem Onkel auf einen Männerausflug geschickt, weil sich manche Dinge mit einem Onkel einfach leichter besprechen lassen.

Unsere älteste Tochter kam neulich und erzählte uns, dass sie dem dänischen Verein Sex & Samfund beigetreten ist, der sich den Themen Familienplanung und gendersensible Bildung und Erziehung widmet. Ihr ist es wichtig, hinauszugehen und anderen Menschen zu erzählen, wie es für sie war, in einer Regenbogenfamilie aufzuwachsen. Wir sind wirklich stolz darauf, dass ihr das etwas bedeutet.“

/Helga und Maria

Ein großes Dankeschön an Helga, Maria und ihre Kinder, die ihre schöne Geschichte mit uns geteilt haben.

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