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Eltern von Spenderkindern, LGBT

Zwei Mütter und vier Spenderkinder: die Geschichte von Helga und Maria – Teil 2

Nach Cryos | 11/12/2019
Spenderkinder

Der Traum von Helga und Maria, vier Kinder zu bekommen, wurde mit Hilfe eines Samenspenders Wirklichkeit. Dies ist der zweite Teil der Geschichte des lesbischen Paares Helga und Maria, in dem sie uns unter anderem erzählen, wie sie mit ihren Kindern darüber sprechen, zwei Mütter zu haben. 

Falls Sie den ersten Teil der Geschichte von Helga und Maria noch nicht gelesen haben, finden Sie ihn hier.

Adoption oder Co-Parenting war keine Option

„Wir haben, was Kinder angeht, nie an eine Adoption oder an Co-Parenting gedacht, denn wir wollten unbedingt erleben, wie es ist, mit unseren eigenen Kindern schwanger zu sein und sie zur Welt zu bringen. Da uns eine Insemination offenstand, haben wir nie die Möglichkeit in Betracht gezogen, Kinder mit einem anderen homosexuellen Paar zu bekommen. Uns war immer klar, dass wir unsere Kinder nicht mit einem anderen Paar teilen wollten. Wir wollten unsere Kinder selbst erziehen, so wie wir es für richtig halten. Gleichzeitig denken wir aber auch, dass es viel einfacher und besser läuft, wenn man sich zu zweit über die Erziehung und alles andere, was mit dem Kinderhaben zusammenhängt, einig ist.“

Ehrlichkeit und Offenheit gegenüber den Kindern

„Schon als die Kinder noch klein waren, haben wir mit ihnen vermittelt, wie wichtig es ist, offen und ehrlich darüber zu sprechen, wie sie sich fühlen, mit zwei Müttern aufzuwachsen. Für Ida, unsere älteste Tochter, haben wir ein Buch geschrieben, in dem wir ihr erklären, worüber wir nachgedacht haben, als wir Kinder bekommen wollten. Außerdem enthält das Buch ein paar emotionale Geschichten aus der Schwangerschaft. Wir dachten, dass sie sich später vielleicht einmal dafür interessiert, welche Gedanken wir uns am Anfang gemacht haben, bis wir sie endlich in unseren Armen halten durften.“

Warum hat Ida zwei Mamas?

„Als die Kinder noch klein waren, halfen wir ihnen dabei, ihre Geschichte zu erzählen, wenn sie von anderen Kinder im Kindergarten gefragt wurden. Kinder sind sehr offen und sprechen direkt an, was sie sehen. Wir haben die Frage „Warum hat Ida zwei Mamas?“ unzählige Male gehört und erklärt, wie es dazu gekommen ist. Manchmal auch mehr als einmal, denn als Kind muss man manche Dinge eben öfter hören, um sie zu begreifen."

Bei Familie geht es um Liebe

„In unserer Tätigkeit als Pädagogen legen wir großen Wert darauf, dass es unterschiedliche Arten von Familien und kein richtig oder falsch gibt, solange Liebe im Spiel ist. Wir möchten dazu beitragen, Kindern eine differenziertere Sicht auf verschiedene Formen von Familie zu vermitteln. Anders als Erwachsene sind Kinder nicht so voreingenommen. Sie sind neuen Erkenntnissen und Wissen gegenüber offener und nehmen diese gerne an. Wir als Erwachsene sollten nicht für unsere Kinder bestimmen, was richtig oder falsch ist.“

Ein bewegender Besuch in der Kinderwunschklinik

„Als die Kinder noch kleiner waren, nahmen wir jedes Jahr an einer Veranstaltung für Spenderkinder in der Kinderwunschklinik teil. Hier konnten unsere Kinder andere Kinder treffen, die ebenfalls zwei Mütter haben. Letzten Sommer haben wir die Kinderwunschklinik nach längerer Zeit wieder alle zusammen besucht. Es war für uns ein bewegender Besuch, und wir hatten das Gefühl, dass er auch für unsere drei älteren Kinder etwas Besonderes war. Sie hatten viele Fragen und fühlten sich als Teil von etwas Größerem. Wir als Mütter waren gerührt, Leute zu sehen, die wie wir damals vor 17 Jahren ganz aufgeregt und hoffnungsvoll im Wartezimmer sitzen und sich eine größere Familie wünschen. Nun saßen wir also da, mit unseren tollen Kindern und unserem wunderbaren Regenbogenleben. Auch der Frau, die uns in der Klinik herumführte, ging der Besuch sichtlich zu Herzen, da es auch für sie ein bedeutsames Treffen war.

Es ist in Ordnung, über Frust zu sprechen

„Als unsere Kinder schließlich älter waren, haben wir betont, dass es mehr als in Ordnung ist, offen darüber zu sprechen, wenn sie das Aufwachsen in einer Regenbogenfamilie als Last empfinden. Uns war es immer wichtig, dass unsere Kinder wissen, dass sie uns alles sagen können und dass es völlig in Ordnung ist, uns zu sagen, was sie von unseren damaligen Entscheidungen halten. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass unsere Kinder die ganzen Umstände nicht als unnatürlich empfinden. Sie haben sich nicht anders oder „falsch“ gefühlt, und es gab keinen Moment in ihrem Leben, in dem sie sich etwas anderes gewünscht hätten. Denn wie sie so schön sagen: „Wir kennen nichts anderes“.

Wir haben unserem Sohn, dem einzigen Jungen in der Familie, besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Er befindet sich in einer besonderen Situation, da er allein unter 5 Frauen aufwächst. Er glaubt allerdings nicht, dass er etwas verpasst hat. Manchmal haben wir ihn mit seinem Onkel auf einen Männerausflug geschickt, weil sich manche Dinge mit einem Onkel einfach leichter besprechen lassen.

Unsere älteste Tochter kam neulich und erzählte uns, dass sie dem dänischen Verein Sex & Samfund beigetreten ist, der sich den Themen Familienplanung und gendersensible Bildung und Erziehung widmet. Ihr ist es wichtig, hinauszugehen und anderen Menschen zu erzählen, wie es für sie war, in einer Regenbogenfamilie aufzuwachsen. Wir sind wirklich stolz darauf, dass ihr das etwas bedeutet.“

/Helga und Maria

Ein großes Dankeschön an Helga, Maria und ihre Kinder, die ihre schöne Geschichte mit uns geteilt haben.