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    Spenderkinder besser verstehen

    Als Eltern möchten wir wissen und verstehen, was unsere Kinder denken und fühlen. Wir möchten ihnen so gut wie möglich beistehen und sie unterstützen. Lernen Sie anhand von persönlichen Geschichten und Erkenntnissen aus der Familienforschung mehr über Spenderkinder.


    Wenn Sie überlegen, mithilfe einer Fremdsamenspende ein Kind zu bekommen oder diese Reise eventuell schon begonnen haben, interessiert es Sie vielleicht, wie es sich anfühlt, ein Spenderkind zu sein. Dazu gibt es natürlich keine allgemeingültige Antwort. Abgesehen vom Anfang, der ein wenig anders ist, sind Menschen, die mithilfe einer Samenspende gezeugt wurden, genau wie alle anderen: Sie sind vielschichtige Personen, mit eigenen Gedanken, Gefühlen und Einstellungen. Oder sagen wir es anders: Spenderkinder unterscheiden sich sehr voneinander. Gleiches gilt für ihre Einstellung und ihre Gefühle zu ihrer Herkunft.

    Spenderkinder haben keine Probleme in alternativen Familienkonstellationen

    Per Samenspende gezeugten Menschen geht es in der Regel gut

    Susan Golombok ist Professorin für Familienwissenschaft und Leiterin des Centre for Family Research an der Universität von Cambridge. Sie hat verschiedene Familienformen untersucht, darunter auch Familien mit Spenderkindern, und hat mehrere Bücher zum Thema veröffentlicht. Ihr Forschungen zeigen, dass Spenderkinder ausgeglichen sind und sich nicht von Kindern in anderen Familien unterscheiden. Spenderkinder, die schon früh von der Samenspende erfahren, scheinen sich, wie Golombok sagt, daran nicht zu stören, sie interessieren sich weder übermäßig für ihre Herkunft noch sind sie besonders neugierig darauf oder möchten mehr erfahren. Kinder in alternativen Familienkonstellationen sehen sich allerdings immer noch einer gewissen Stigmatisierung ausgesetzt: „Was das Wohlbefinden dieser Kinder beeinträchtigt, ist nicht ihre Familienstruktur, sondern die Intoleranz, die diese von außen erfährt.“

    Mehr über die Forschungsergebnisse von Susan Golombok können Sie hier in ihrem neuesten Buch „We Are Family“ nachlesen.

     

    Kernpunkte der Erkenntnisse von Susan Golombok:

    • Viele Menschen denken, dass die Familienstruktur für die Kinder wichtig wäre, dabei kümmert sie diese weitaus weniger als wir meinen.
    • Wenn überhaupt, haben Mütter und Väter von Spenderkindern ein besseres Verhältnis zu ihren Kindern, wahrscheinlich weil es für sie so schwer war, überhaupt Eltern zu werden.
    • Es kommt auf eine gute Kommunikation mit den Kindern an. Eltern, die ihren Kindern schon früh vom Spender erzählen, haben später, wenn ihre Kinder Teenager geworden sind, ein besseres Verhältnis zu ihnen.
    • Auch wenn die Beziehungen in diesen Familien gut und eng sind, interessieren sich manche Menschen, die mithilfe einer Samenspende gezeugt wurden, für ihre Herkunft und möchten mehr über sie erfahren. Diesen Menschen ist es wichtig, die Möglichkeit zu haben, etwas über ihren Spender und andere Kinder, die mit dessen Hilfe gezeugt wurden, zu erfahren.
    • Die Probleme, die diese Kinder haben, liegen in der Regel nicht in der Familie selbst begründet, sondern werden von außen in die Familie hineingetragen.



    Persönliche Geschichten von Spenderkindern

    Was bedeutet für Menschen der Umstand, dass sie mithilfe eines Samenspenders gezeugt wurden? Die Antwort darauf ist natürlich sehr individuell. Im Folgenden stellen wir Ihnen die persönlichen Geschichten von drei Menschen vor, die durch eine Samenspende auf die Welt gekommen sind. Mittlerweile sind sie erwachsen und waren so freundlich, ihre Erfahrungen mit uns zu teilen.

    Die Geschichte von Emma: „Ich habe immer gefühlt, dass ich mehr als alles andere auf der Welt geliebt werde”

    Emma kam nach einer Samenspende zur Welt. Ihr Spender war ein Non-ID Release-Spender, das heißt, dass kein Kontakt zu ihm aufgenommen werden kann. Darüber ist Emma sehr erleichtert. Sie wusste schon immer, dass ein Spender geholfen hatte, ihr das Leben zu schenken. In der Familie wurde offen darüber gesprochen. In diesem Video teilt Emma ihre Erfahrungen mit uns und erzählt uns, wie sie sich als Spenderkind fühlt und welche Tipps sie für Eltern von Spenderkindern hat.

    Sie können auch diesen Blogpost zu einem Interview mit Emma lesen.

    Die Geschichte von Uffe: „Ich hatte immer einen Vater, auch wenn meine Gene nicht die seinen sind”

    Auch Uffes Eltern griffen auf die Hilfe eines Non-ID Release-Spender zurück. Von der Samenspende erfuhr er erstmalig mit 10 Jahren. Anders als bei Emma wurde in seiner Familie seitdem nicht mehr wirklich darüber gesprochen.

    Das komplette Interview mit Uffe können Sie hier nachlesen.

    Wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich ihn wohl gerne kennengelernt. Aber da es damals nur anonyme Spender gab und das daher nie eine Option war, habe ich nicht viel Zeit auf diesen Gedanken verschwendet

    Uffe (48)
    SPENDERKIND

    Fredrik: „Das war schon immer ein Teil von mir” 

    Als Fredrik 5 Jahre alt war, nahm seine Mutter ihn und seinen Bruder mit zu einem Spaziergang an den Strand. Dort sagte sie den Brüdern, dass sie unter einem Glücksstern geboren seien. Sie erzählte den beiden, dass sie und ihr Mann lange versucht hatten, auf natürlichem Wege Eltern zu werden. Das hatte nicht funktioniert, weshalb sie sich letztlich dazu entschieden, den Weg der Samenspende zu gehen.

    Hier können Sie nachlesen, wie es für Fredrik war, als Spenderkind aufzuwachsen.

    Die Tatsache, dass ich weiß, dass ich mithilfe eines Spenders gezeugt wurde, meine Eltern mir davon erzählt haben und offen damit umgegangen sind, hat die Beziehung zu meinen Eltern, sofern das überhaupt geht, noch enger gemacht.

    Fredrik (31)
    SPENDERKIND

    Neue Generationen von Spenderkindern

    Darüber, was es heißt, ein Spenderkind zu sein, gibt es viele verschiedene Meinungen. Auch die Bedeutung, die dieser Umstand für die betroffenen Menschen hat, ist völlig unterschiedlich. Schon eine kurze Suche auf Google oder YouTube reicht, um persönliche Erfahrungsberichte zu finden, negative und positive. Für einige Menschen ist es keine große Sache, ein Spenderkind zu sein. Für andere ist es ein wesentliches Element ihrer Identität.

    Wenn Sie sich diese Geschichten ansehen, denken Sie bitte daran: Samenspende und künstliche Befruchtung haben sich in den letzten Jahren rapide weiterentwickelt. Die Gesetze haben sich geändert und so auch die Art und Weise, wie alternative Familienformen in der Gesellschaft angenommen werden. Die Spenderkinder, die heute zur Welt kommen, wachsen in völlig anderen Verhältnissen auf als diejenigen, die jetzt schon erwachsen sind. Dazu haben verschiedene Faktoren beigetragen. Da wäre zum Beispiel die Möglichkeit, das Sperma von ID Release-Spendern zu nutzen, die später kontaktiert werden können, oder die Empfehlung, ehrlich zu sein und offen über die Samenspende zu sprechen. Und natürlich einfach, dass es heute viel mehr Menschen gibt, die auf diese Weise gezeugt wurden. Das hat die Einstellung zum Thema massiv verändert.