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    Wie man seinem Kind sagt, dass es ein Spenderkind ist

    Als Elternteil eines Spenderkindes haben Sie wahrscheinlich schon einmal darüber nachgedacht, wie Sie Ihrem Kind von dem Spender erzählen sollen. Hier möchten wir Ihnen Inspiration und Ratschläge geben, wann und wie Sie mit Ihrem Kind darüber sprechen können, dass es mithilfe eines Samenspenders zur Welt gekommen ist.


    Kinder fragen oft danach, wer sie sind und woher sie kommen. Dieses Wissen hilft ihnen, die eigene Identität zu formen und zu begreifen, was es bedeutet, eine Familie zu sein. Für Spenderkinder ist das etwas komplizierter als die herkömmliche Geschichte mit den Bienchen und den Blümchen. Wenn Sie mithilfe eines Samenspenders ein Kind bekommen, sollten Sie sich frühzeitig damit auseinandersetzen, wie Sie Ihrem Kind erzählen und mit ihm darüber sprechen möchten, dass es über eine Samenspende gezeugt wurde. 

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    Wann erzähle ich meinem Kind vom Spender? 

    Manche Eltern thematisieren die Fremdsamenspende schon im Kleinkindalter und erzählen zum Beispiel, dass „ein netter Mann uns geholfen hat, unseren größten Traum wahr werden zu lassen“. Andere ziehen es vor, etwas länger zu warten. Wann und wie das Thema aktuell wird, ist sehr individuell und kann auch von Ihrer Familienstruktur abhängen. Kinder, die mit lesbischen Eltern oder einer alleinerziehenden Mutter aufwachsen, fangen vielleicht schon früh an, Fragen zu stellen, da sie merken, dass andere Kinder einen Vater haben. Heterosexuelle Eltern von Spenderkindern müssen dagegen meist irgendwann selbst die Initiative ergreifen und darüber sprechen. Susan Golombok, Professorin für Familienforschung, rät allgemein dazu, das Thema so früh wie möglich auf den Tisch zu bringen.

    Ein früher Beginn hat mehrere Vorteile für Sie und Ihr Kind, zum Beispiel:

    • Sie gewöhnen sich ans Erzählen. Am Anfang wissen Sie wahrscheinlich noch nicht genau, was Sie sagen wollen oder wie Sie am liebsten über den Spender sprechen. Wenn Sie früh beginnen, während Ihr Kind noch ein Baby ist, können Sie die Geschichte üben und werden sicherer. So sind Sie gut vorbereitet, wenn Ihr Kind irgendwann anfängt, sich dafür zu interessieren und Fragen zu stellen.
    • Sie vermeiden Geheimnisse. Laut to the Donor Conception Network, sollten Ihre Kinder im Idealfall so aufwachsen, dass sie sich nicht an den Moment erinnern, an dem ihnen gesagt wurde, dass sie mithilfe eines Samenspenders gezeugt wurden. Wenn Sie von Anfang an ehrlich und offen über den Spender sprechen, wird diese Erzählung zu einem Prozess und nicht zu einem Ereignis. So bekommt Ihr Kind nicht das Gefühl, dass ihm etwas verheimlicht wird. 
    • Wahrscheinlich tut es Ihrer Beziehung gut. Studien von Susan Golombok, Professorin für Familienforschung, zeigen, dass Kinder, die von klein auf (noch vor dem Schulalter, am besten noch früher) Bescheid wissen, später im Erwachsenenalter eine engere Beziehung zu ihren Eltern pflegen und die Tatsache, per Samenspende gezeugt worden zu sein, positiver betrachten.

     

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    Persönliche Geschichten – Wie Sie Ihrem Kind von der Samenspende erzählen 

    Eltern und Spenderkinder werden oft kreativ, wenn es darum geht, über den Samenspender und die Entstehung ihrer Familie zu erzählen und zu sprechen. Im folgenden TED-Talk erzählt Veerle Provoost, Philosophin und Sozialwissenschaftlerin, von einigen ihrer Interviews mit Spenderkindern und deren Eltern. 

    Wenn Sie unsicher sind, wie Sie Ihrem Kind vom Spender erzählen sollen, kann es Ihnen helfen zu wissen, wie andere Eltern mit ihren Kindern über die Fremdsamenspende sprechen. Die folgenden Blog-Beiträge sind allesamt persönliche Geschichten von Spenderkindeltern, die ihre Erfahrungen und Ratschläge teilen, wie Sie Ihrem Kind von seinem Spender erzählen können: 

     

    Mutter und Tochter lesen ein Kinderbuch über Samenspende

    Kinderbücher zur Erklärung der Samenspende

    Wenn es soweit ist, können Kinderbücher helfen, die Samenspende oder verschiedene Familienformen zu erklären. Im Folgenden haben wir für Sie eine Liste solcher Bücher in englischer Sprache zusammengestellt. Es gibt aber auch tolle Kinderbücher zu diesem Thema in anderen Sprachen. Außerdem besteht die Möglichkeit, ein eigenes, persönliches Buch über Ihr Kind und seine Zeugung zu erstellen. Dies kann als sogenanntes Scrapbook oder als persönliches Fotobuch gestaltet werden, das Sie und Ihr Kind gemeinsam lesen können.

    Empfehlenswerte Bücher für Spenderkinder

     

    Weitere Tipps, wie Sie mit Ihrem Kind über den Spender sprechen können

    Wenn Sie sich nicht ganz sicher sind, wie Sie Ihrem Kind von seinem Spender erzählen möchten, ist es nicht verwerflich, sich Rat zu holen. Dieser ist oft sehr nützlich. Aber denken Sie daran, dass Sie als Elternteil Ihr Kind am besten kennen und daher auch am besten wissen, wie Sie diese Angelegenheit mit ihm angehen sollten.
    Hier haben wir einige allgemeine Ratschläge zusammengestellt, wie Sie mit Ihrem Kind über die Samenspende sprechen können. 

    • Seien Sie stolz auf Ihre Familie und wie sie entstanden ist
    • Halten Sie das Gespräch offen
    • Denken Sie daran, dass Sie immer ein Elternteil des Kindes sein werden
    • Respektieren Sie, dass es die Geschichte Ihres Kindes ist

     

    Seien Sie stolz auf Ihre Familie und wie sie entstanden ist

    Heute wird Eltern von Spenderkindern dringend geraten, offen mit ihrer Familienform umzugehen und stolz auf ihre Familie zu sein. Sie müssen keine große Sache daraus machen, aber wenn Sie die Samenspende als etwas Normales behandeln und mit Ihrem Kind und anderen Menschen offen darüber sprechen, dass es für die Geburt Hilfe von einem Spender gebraucht hat, wird sich Ihr Kind wohler fühlen und auch stolz auf seine Geschichte sein. Zu wissen, woher man kommt, ist ein wichtiger Teil der eigenen Identität. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es mehr als erwünscht ist und dass die Großzügigkeit einer anderen Person, die ebenfalls wollte, dass es geboren wird, dies möglich gemacht hat. Das ist etwas, worauf man stolz sein kann. 

    Halten Sie das Gespräch offen

    Das Gespräch mit Ihrem Kind über den Spender ist ein fortlaufender Prozess. Wenn das Kind älter wird, können neue Fragen auftauchen oder sich Einstellungen und Gefühle ändern. Es ist wichtig, dass Sie Ihrem Kind helfen, damit zurechtzukommen. Sie haben vielleicht nicht auf alle Fragen eine Antwort, aber ein offener und ehrlicher Dialog wird Ihrem Kind helfen, sich wohl zu fühlen, wenn es mit Ihnen über seine Fragen und Sorgen spricht. Teilen Sie Ihr Wissen mit ihm und sprechen Sie positiv über den Spender. Achten Sie aber darauf, dass Sie es nicht übertreiben oder Ihrem Kind unrealistische Vorstellungen oder Erwartungen an den Spender vermitteln. Denken Sie daran, dass Ihr Kind eines Tages versuchen könnte, mit dem Spender in Kontakt zu treten

    Denken Sie daran, dass Sie immer ein Elternteil des Kindes sein werden

    Manche Eltern machen sich Sorgen, wie ihre Kinder darauf reagieren werden, wenn sie erfahren, dass sie nicht biologisch mit beiden Elternteilen verwandt sind. Fragen, Frustration usw. bleiben da oft nicht aus. Vor allem dann, wenn das Kind erst später davon erfährt. Aber denken Sie daran, dass das, was Sie zu einer Familie macht, nicht die Gene sind, sondern das familiäre Band, also die Traditionen und Rituale, die gegenseitige Liebe und das Füreinander-da-sein. Ihr Kind weiß, wer seine Familie ist, auch wenn es sich irgendwann aus Neugierde auf die Suche nach seinem Spender oder seinen Halbgeschwistern macht. Auch wenn es den Spender kennt, wird es Sie nicht verlassen oder weniger lieben.

    Respektieren Sie, dass es die Geschichte Ihres Kindes ist 

    In den ersten Lebensjahren ist es an Ihnen, Ihrem Kind die Geschichte zu erzählen, wie es zur Welt kam. Und es kann wichtig sein, auch anderen davon zu erzählen, z. B. der Grundschullehrerin Ihres Kindes, die nur so Ihr Kind bei Bedarf einbeziehen und unterstützen kann, zum Beispiel, wenn in der Schule über Familie und Fortpflanzung gesprochen wird. Irgendwann wird Ihr Kind allerdings alt genug sein, um selbst zu entscheiden, wann und wem es von dem Spender erzählen möchte. An diesem Punkt wird es seine Geschichte, die es selbst erzählt. Ab da sollten Sie sich zurückhalten. Als Elternteil müssen Sie das anerkennen und die Geschichte, die sich Ihr Kind gestaltet und erzählen möchte, akzeptieren.   

    Wenn Sie sich weitere Tipps wünschen, wie Sie einem Kind die Geschichte seiner Empfängnis erzählen können, lesen Sie diesen Blog-Beitrag darüber, wie Sie mit Ihrem Kind darüber sprechen können, dass es ein Spenderkind ist.