Gibt es bei Cryos eine weltweite Obergrenze dafür, wie vielen Familien ein Samenspender zur Empfängnis verhelfen darf?
Ja. Für einige unserer Samenspender haben wir eine weltweite Familienobergrenze von entweder 15 oder 50 Familien festgelegt. Wenn Sie sich für einen dieser Spender entscheiden, sichern Sie sich Ihre Reservierung als eine dieser Familien. Jede Familie kann mehr als ein Kind mit demselben Spender bekommen, sodass Geschwister denselben genetischen Ursprung haben können.
In der Praxis werden die meisten unserer Spender von weitaus weniger Familien in Anspruch genommen als die maximale Obergrenze vorsieht. Gleichzeitig hält sich Cryos stets an die nationalen Vorschriften und Spenderquoten, die in den Ländern gelten, in denen Spendersamen verwendet wird. Diese Vorschriften variieren von Land zu Land und können sich auf die Anzahl der Familien, Kinder oder Schwangerschaften beziehen. Erfahren Sie hier mehr über unser Quotenreservierungssystem.
Spendergrenzen und -quoten verstehen
Cryos hat keine feste globale Obergrenze für die Gesamtzahl der Kinder pro Spender. Dies beruht auf genetisch-gesundheitsbezogenen Überlegungen: Entscheidend ist nicht die Gesamtzahl der Kinder weltweit, sondern deren geografische Verteilung. Genetische Erkrankungen sollten bei der Festlegung von Obergrenzen für Spendernachkommen nicht als relevanter Faktor berücksichtigt werden. Auch aus Sicht der öffentlichen Gesundheit besteht kein Zusammenhang zwischen der Anzahl der Nachkommen pro Spender und der Gesamtprävalenz genetischer Zustände in der Bevölkerung. Das Risiko von Blutsverwandtschaft hängt davon ab, ob Kinder, die mit demselben Spender gezeugt wurden, in denselben Gemeinschaften leben. Cryos steuert dieses Risiko durch geografische Verteilung und die Einhaltung nationaler Quoten. Die ESHRE stellt zudem fest: „Mehrere Studien haben das Risiko von Blutsverwandtschaft zwischen durch Spender gezeugten Nachkommen modelliert und sehr niedrige Risikowerte ermittelt, insbesondere im Zusammenhang mit der internationalen Verwendung von Keimzellen, bei der eine breite geografische Streuung der Spendergeschwister vorliegt.“ Weiter heißt es: „Das Inzuchtrisiko dürfte sich weiter verringern, da Eltern ihren Kindern zunehmend offen mitteilen, dass sie durch Spendersamen gezeugt wurden, und da Spender ihren eigenen Kindern zunehmend offen von ihren Spenden berichten, sowie durch den verbesserten Zugang zu Gentests. Daher stellt Inzucht kein dringendes Problem mehr dar.“ (3)
Die Debatte über globale Quoten ist unter anderem als Reaktion auf einige wenige Fälle entstanden, in denen Erbkrankheiten über Spendersamen übertragen wurden (1, 2). Dies hat politische und fachliche Diskussionen über die Notwendigkeit internationaler oder globaler Quoten ausgelöst, einschließlich Empfehlungen von Fachorganisationen wie der ESHRE (3). Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass globale Quoten das Risiko von Erbkrankheiten nicht beseitigen können. Alle Menschen tragen genetische Variationen und potenziell krankheitsverursachende Mutationen in sich. Je mehr Krankheiten getestet werden, desto weniger Spender kommen in Frage, und eine sehr niedrige Quote verringert nicht die Gesamtzahl der Kinder, die mit genetischen Erkrankungen geboren werden, sondern kann stattdessen zu einer größeren Vielfalt seltener Krankheiten führen (4). Die Zahl der betroffenen Kinder wird durch die Einführung globaler Quoten nicht verringert, was daher ein falsches Sicherheitsgefühl hervorrufen kann.
Auch wenn es keinen wissenschaftlich fundierten Grund gibt, sich Sorgen über Inzucht oder die Ausbreitung genetischer Erkrankungen zu machen, hat eine Cryos-Studie (12) gezeigt, dass viele Menschen, die Spendersamen nutzen, dennoch diese Bedenken haben. Sie glauben oft, dass das Fehlen strenger Beschränkungen hinsichtlich der Anzahl der Familien, die weltweit denselben Spender nutzen dürfen, zu einem Risiko von Inzucht und mehr genetischen Erkrankungen führen könnte. Daher ist es wichtig, dass Kinderwunschkliniken, Samenbanken und Behörden klar darlegen, dass das Risiko, dass sich verwandte Kinder begegnen, äußerst gering ist und dass eine Begrenzung der Anzahl der Familien pro Spender das mit der Empfängnis durch Spender verbundene genetische Gesamtrisiko nicht verringert.
Hinsichtlich der psychologischen Aspekte, viele Halbgeschwister durch Spendersamen zu haben, gibt es unterschiedliche Erfahrungen. Für manche kann dies eine Belastung darstellen (5, 6), während andere es als Bereicherung empfinden (7, 8). Für die Spender selbst deuten Forschungsergebnisse nicht darauf hin, dass eine hohe Anzahl von Kindern an sich eine psychische Belastung darstellt (9, 10, 11). Cryos erkennt an, dass der Bedarf an Informationen und Transparenz bei Spendern, Empfängern und durch Spender gezeugten Personen unterschiedlich ist, und wägt dies unter Berücksichtigung der Rechte aller Beteiligten gemäß Artikel 10 der Europäischen Bioethik-Konvention ab.
Schließlich sehen sich viele Länder mit einem Mangel an Samenspendern konfrontiert, während gleichzeitig die Nachfrage steigt. Strenge globale Quotenbeschränkungen würden wahrscheinlich zu einer geringeren Verfügbarkeit, längeren Wartezeiten, höheren Preisen und einer verstärkten Abhängigkeit von unregulierten Märkten führen. Letztendlich könnte dies die Sicherheit aller Beteiligten untergraben und die Zahl der Menschen verringern, die sich ihren Kinderwunsch erfüllen können.
Links
1 Danish sperm donor passed neurofibromatosis on to five children | The BMJ
2 Sperm from donor with cancer-causing gene was used to conceive almost 200 children
3 ESHRE position paper: international limits on the number of offspring per gamete donor.
4 No reason for a reduction in the number of offspring per sperm donor because of possible transmission of autosomal dominant diseases - PubMed
5 Finding people like me: contact among young adults who share an open-identity sperm donor | Human Reproduction Open | Oxford Academic
6 The ongoing work of kinship among donor half-siblings in The Netherlands | BioSocieties
7 Searching for ‘relations’ using a DNA linking register by adults conceived following sperm donation | BioSocieties
8 Adolescents Conceived through Donor Insemination in Mother‐Headed Families: A Qualitative Study of Motivations and Experiences of Contacting and Meeting Same‐donor Offspring - Persaud - 2017 - Children & Society - Wiley Online Library
9 Oocyte and sperm donors' opinions on the acceptable number of offspring - Sydsjö - 2014 - Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica - Wiley Online Library
10 Egg donors’ attitudes toward identifiability, offspring information, and genetic testing | Reproductive Biology and Endocrinology
11 Experiences and attitudes of Danish men who were sperm donors more than 10 years ago; a qualitative interview study | PLOS One
12 The attitude of (would-be) recipients of donor sperm and interested persons regarding a worldwide family limit per donor